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Artikel in der Mittelbayerischen Zeitung vom 09.04.2011)
In der Staatlichen Bibliothek sprachen Experten über die Zukunft des Lesens. Neue Medien machen dem Gedruckten Konkurrenz.
In der Staatlichen Bibliothek in der Gesandtenstraße wurde lebhaft und kontrovers im Rahmen der Reihe "R-Lesen" über die Zukunft des Lesens und des Buches diskutiert. Hausherr Dr. Bernhard Lübbers machte deutlich, welche Schwierigkeiten die Zukunftsforschung birgt. Dr. Rafael Ball, Direktor der Universitätsbibliothek, betonte, die jüngere Generation heute nutze nicht nur andere Kommunikationswege (etwa Facebook) , sondern auch andere Verbreitungsformen für Bücher. Die Zukunft des Buches sei also in jedem Falle digital, Print werde sich nur noch in einigen wenigen Nischen halten.
Inhalte zusammengeschustert?
Peter Kern, Inhaber des gleichnamigen Verlags, sprach über seine Erfahrungen als Verleger mit ebooks. Er plädierte, ebooks auf jeden Fall preiswerter anzubietenj. Außerdem problematisierte er die Vertreibssituation für Verlage, die womöglich von nur wenigen marktführenden Händlern (etwas Google und Amazon) abhängig werden. Da biete das Internet-Portal "Libreka" des Börsenvereins des deutschen Buchhandels einen Ausweg an.
Dr. Dieter Lohr, Schriftsteller und Hörspieler, der sich dem Thema von der Seite der Schriftsteller näherte, gab zu bedenken, dass die Digitalisierung bzw. die neuen Möglichkeiten der Recherche auch Einfluss auf den Inhalt der Texte haben und dass eventuell nur mehr die momentan verkaufsträchtigen Inhalte schnell "zusammengeschustert" werden. Alfred Strohmaier, Inhaber der Buchhandlung Atlantis, sprach über seine Sicht auf die Zukunft des Buches. Er sei ohnehin der Meinung, es werde viel zu viel gedruckt; die Medienrevolution helfe hier also, gewissermaßen die "Spreu vom Weizen" in Printform zu trennen.
Zusätzliche Einnahmequelle
An die durchaus kontorversen Meinungen schloss sich eine überaus lebhafte Diskussion an, die von Dr. Marita Panzer, Versitzende des
» Schriftstellerverbands Ostbayern moderierte. Sie betonte, auch die Rechte der Autorinnen und Autoren bei der Digitalisierung ihrer Werke dürften nicht vernachlässigt werden. Hier klaffe eine Gesetzeslücke. Denn der neu entstehende Markt sollte doch eine zusätzliche Einnahmequelle der Schreibenden durch angemessene Honorierung und Wahrung der Urheberrechte sein.
Die allgemeine Diskussion berührte eine Reihe von Themen: Nicht nur die Inhalte können sich ändern, auch die Art und Weise des Lesens verändert sich. Es bleibt noch fraglich, ob die neuen E-Book Reader die allgemeine Leselust verstärken. Ebenso fraglich ist, ob das buch den klassischen Buchhandel noch brauchen wird, um seine Leser bzw. Käufer zu erreichen. Eventuell wird das gedruckte und gebundene Buch zu einem "Kultprodukt", zu einem Nischen- oder Lifestyle-Produkt, gab die Schriftstellerin Barbara Krohn zu bedenken. Buchhändler Ulrich Dombrowskio wies auf die Wichtigkeit der Buchpreisbindung auch für die digitalisierten Werke hin.
Fazit des anregenden Abends: Es bleibt abzuwarten, wie sich die Zukunft des Buches und die Zukunft des Lesens entwickeln werden. Sicher scheint jedoch, dass es in jedem Falle spannend bleibt.